Evolution beruht auf zwei zentralen Mechanismen: Mutation und Selektion. Gemeinsam bilden sie den Motor, der die Vielfalt des Lebens über Millionen von Jahren hervorgebracht hat. Ohne genetische Veränderungen gäbe es keine Unterschiede zwischen Individuen, und ohne Selektion würden sich diese Unterschiede nicht dauerhaft in Populationen durchsetzen.

Mutationen sind zufällige Veränderungen im Erbgut eines Organismus. Sie entstehen zum Beispiel durch Fehler bei der DNA-Replikation oder durch äußere Einflüsse wie Strahlung. Die meisten Mutationen haben keine spürbaren Auswirkungen oder sind sogar nachteilig. Gelegentlich jedoch führt eine Mutation zu einem Vorteil, etwa zu einer besseren Anpassung an Umweltbedingungen.

Diese genetischen Variationen sorgen dafür, dass Individuen einer Art nicht vollkommen identisch sind. In einer stabilen Umwelt können viele Varianten nebeneinander bestehen. Verändert sich jedoch das Klima, das Nahrungsangebot oder treten neue Fressfeinde auf, werden bestimmte Merkmale plötzlich vorteilhaft. Hier setzt die natürliche Selektion an.

Selektion bedeutet, dass Individuen mit günstigen Eigenschaften eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, zu überleben und sich fortzupflanzen. Ihre genetischen Merkmale werden häufiger an die nächste Generation weitergegeben. Über viele Generationen hinweg kann sich dadurch die Zusammensetzung einer Population deutlich verändern.

Ein klassisches Beispiel ist die Anpassung von Bakterien an Antibiotika. Durch zufällige Mutationen entstehen gelegentlich resistente Varianten. Werden Antibiotika eingesetzt, sterben empfindliche Bakterien ab, während resistente überleben und sich vermehren. Innerhalb kurzer Zeit kann so eine ursprünglich seltene Eigenschaft dominant werden.

Wichtig ist, dass Mutationen nicht zielgerichtet auftreten. Sie entstehen unabhängig davon, ob sie nützlich sind oder nicht. Erst die Umweltbedingungen entscheiden darüber, welche Varianten sich durchsetzen. Evolution folgt daher keinem festen Plan, sondern ist das Ergebnis eines Zusammenspiels von Zufall und Auswahl.

Langfristig führen Mutation und Selektion zur Entstehung neuer Arten. Wenn Populationen über längere Zeit getrennt sind und unterschiedlichen Umweltbedingungen ausgesetzt werden, sammeln sich genetische Unterschiede an. Irgendwann können sich die Gruppen nicht mehr erfolgreich miteinander fortpflanzen – eine neue Art ist entstanden.

Zusammengefasst liefern Mutationen das Rohmaterial der Evolution, während Selektion darüber entscheidet, welche Veränderungen Bestand haben. Gemeinsam treiben sie den kontinuierlichen Wandel des Lebens voran und erklären, wie sich aus einfachen Organismen die heutige biologische Vielfalt entwickeln konnte.