Natürliche Selektion ist einer der zentralen Mechanismen der Evolution. Sie beschreibt den Prozess, durch den sich bestimmte Merkmale innerhalb einer Population über Generationen hinweg durchsetzen, weil sie einen Überlebens- oder Fortpflanzungsvorteil bieten. Auf diese Weise verändert sich eine Art schrittweise im Laufe der Zeit.

Innerhalb jeder Population existiert genetische Vielfalt. Individuen unterscheiden sich in Größe, Farbe, Verhalten oder physiologischen Eigenschaften. Diese Unterschiede entstehen durch Mutationen und genetische Neukombination bei der Fortpflanzung. Solange Ressourcen ausreichend vorhanden sind, können viele Varianten nebeneinander bestehen. Doch in der Natur sind Ressourcen meist begrenzt, was zu Konkurrenz führt.

Wenn Umweltbedingungen bestimmte Eigenschaften begünstigen, haben Individuen mit diesen Merkmalen bessere Chancen zu überleben und Nachkommen zu erzeugen. Ihre Gene werden häufiger weitergegeben, während weniger vorteilhafte Varianten seltener werden. Über viele Generationen hinweg verschiebt sich dadurch die durchschnittliche Merkmalsausprägung einer Population.

Ein Beispiel ist die Anpassung an klimatische Veränderungen. Wird eine Region kälter, können Individuen mit dichterem Fell oder höherem Fettanteil im Vorteil sein. In wärmeren Regionen hingegen setzen sich Merkmale durch, die eine bessere Wärmeabgabe ermöglichen. Auf diese Weise passt sich eine Art an ihre Umwelt an, ohne dass ein bewusster Plan dahintersteht.

Natürliche Selektion kann auch zur Entstehung neuer Arten beitragen. Wenn Populationen räumlich getrennt werden, etwa durch Gebirge oder Gewässer, entwickeln sie sich unter unterschiedlichen Umweltbedingungen weiter. Mit der Zeit sammeln sich genetische Unterschiede an, die so groß werden können, dass eine Fortpflanzung zwischen den Gruppen nicht mehr möglich ist. In diesem Fall spricht man von Artbildung.

Wichtig ist, dass natürliche Selektion nicht auf Perfektion abzielt. Sie begünstigt lediglich Merkmale, die unter den aktuellen Bedingungen vorteilhaft sind. Ändert sich die Umwelt, können zuvor günstige Eigenschaften an Bedeutung verlieren. Evolution ist daher ein dynamischer und fortlaufender Prozess.

Zusammenfassend verändert natürliche Selektion Arten, indem sie bestimmte genetische Varianten bevorzugt und andere zurückdrängt. Durch diesen kontinuierlichen Auswahlprozess entstehen Anpassungen, Vielfalt und letztlich die große Bandbreite an Lebensformen, die heute auf der Erde existiert.